Im Jahre 2019 kann unsere traditionsreiche Schützengesellschaft ihr 165-jähriges Bestehen feiern. Dies gibt uns Anlass auf den Werdegang unserer Gesellschaft etwas näher einzugehen.

Das Schützenwesen reicht bis in die Zeit des Mittelalters zurück. Die Bürgerwehren hatten damals die Aufgabe die Heimat zu sichern und zu verteidigen. Dies geschah zuerst mit Pfeil und Bogen, dann folgte die Armbrust und Ende des 15. Jahrhunderts die Handbüchse.

Die Bürger von Stadtsteinach waren damals zur Anschaffung und Instandsetzung von Waffen und Rüstungsgegenständen als sogenannte „Hauswehr“ verpflichtet. Die Teilnahme an den meist sonntäglichen Übungsschießen war vorgeschrieben.

1553 brannte im markgräflichen Krieg Stadtsteinach fast vollständig nieder. Dabei wurde fast das gesamte Aktenmaterial der Stadt vernichtet, weshalb nur spärliche Angaben aus jener Zeit vorhanden sind.

Aus alten Jahresrechnungen und Akten geht hervor, dass zu Beginn des 15. Jahrhunderts von einem „Schießhügel“ die Rede ist, welcher sich am nördlichen Ende des jetzigen Kellerweges befunden haben soll. Dies lässt darauf schließen, dass also vor rund 500 Jahren bereits eine „Bürgerwehr“ bestanden hat.

Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht gründeten die alten Schützen, Schützengilden und Schützengesellschaften und widmeten sich weiterhin der Pflege des Schießsportes und der geselligen Unterhaltung.
So wurde auch im Jahre 1854 die Schützengesellschaft Stadtsteinach aus der Taufe gehoben und ist damit der älteste Verein unseres Städtchens. Die Statuten der Gesellschaft wurden am 5. April 1859 genehmigt.

In den darauf folgenden Jahren wurde das erste Schützenhaus im Ortsteil Ziegelhütte erbaut. Die älteste noch vorhandene Ehrenscheibe aus dem Jahre 1860 gibt Kunde davon.

In den Kriegsjahren 1866 und 1870/1871 kam das Vereinsleben fast zum Erliegen. Erst als Buchbindermeister Christian Feulner nach diesen Kriegen die Geschicke der Gesellschaft übernahm, gab es neuen Auftrieb.

Mit Beschluss vom 2. Februar 1884 hat die Gesellschaft die allgemeine Schützenordnung für das Königreich Bayern vom 25. August 1868 anerkannt und nennt sich seitdem:

Königliche Privilegierte Schützengesellschaft
von 1854 Stadtsteinach

Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 führten nach Feulner die Schützenmeister Rektor Hebentanz, Balthasar Weber, Dr. August Lutz und Stefan Weber die Gesellschaft.

Statuten des Vereins von 1929

Zur damaligen Zeit bestand neben unserer Schützengesellschaft noch die Zimmerstutzen-Schützengesellschaft von 1907. Neben dem allgemeinen Schießbetrieb fand jährlich am 3.Sonntag im Juli ein gemeinsames Hauptschießen mit Schützenfest statt. Im Jahre 1928 wurde die neue Vereinsfahne geweiht und 1930 das Schießhaus umgebaut und erweitert.

Auf Grund des 2. Weltkrieges musste 1940 der Schießbetrieb eingestellt werden.

Nach Kriegsende wurden die Schießanlagen durch die amerikanische Armee zerstört.

Unser stolzes Schützenhaus diente fortan der Besatzungstruppe als Tanz- und Partylokal und wurde im Oktober 1945 ein Raub der Flammen.

Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass die Vereinsfahne, die Königskette und einige Schützenscheiben aus der Zeit vor 1945 erhalten geblieben sind.

Alle Vereine und Gesellschaften wurden durch die alliierten Streitkräfte aufgelöst.

Als Deutschland 1952 wieder seine volle Souveränität erlangte wurde das Vereinsleben durch Wiedergründungen der Vereine neu belebt.

So fand auch im August 1952 im Hotel „Kette“ eine Vorbesprechung wegen der Wiedergründung der beiden Schützengesellschaften statt. Neben dem Initiator Josef Proschka waren Josef Kraus, Hans Hümmer, Egid Kotschenreuther und Erwin Schmutzler anwesend.

In der Gaststätte „Anna Kraus“ wurde die Wiedergründung beschlossen. 37 Schützen waren anwesend. Andreas Graß wurde zum 1. Vorstand gewählt.

Die beiden Vereine wurden im Jahre 1952 verschmolzen.
Von den anwesenden Wiedergründungsmitgliedern nehmen heute noch am Vereinsleben teil:

Schmutzler Erwin †
Köstner Hans †
Graß Rudolf
Kotschenreuther Hans †
Kraus Hans  †
Ploner Ludwig

Der Schießbetrieb wurde in kleinem Rahmen zuerst in der Gaststätte Rosa Schneider und später in der Gaststätte Mattes fortgesetzt. Am 3. Sonntag im Juli 1953 fand das erste Schützenfest nach der Wiedergründung im Sportheim und auf dem Gelände des TSV Stadtsteinach statt.

Ebenfalls auf dem Sportgelände wurde 1954 das 100 jährige Jubiläum gefeiert.

Nach der in der Generalversammlung im Dezember 1954 beschlossenen neuen Satzung gibt es künftig keinen Vorstand mehr. Die Gesellschaft wird durch den 1. und 2. Schützenmeister geführt. Zum 1. Schützenmeister wurde Josef Kraus gewählt.

Bei den Neuwahlen 1957 wurde Andreas Graß 1. Schützenmeister, musste aber krankheitsbedingt 1958 von Herrn Hans Hümmer abgelöst werden.

Die jeweiligen Hauptschießen fanden zunächst am Schützenhausplatz, welcher der Brauerei Schübel gehörte, statt.

Nach der Bestätigung der Eintragung unserer Gesellschaft in das Vereinsverzeichnis der „Privilegierten Schützengesellschaften Bayerns“ durch das Staatsministerium wurde in der Generalversammlung 1963 der Bau eines Luftgewehrstandes beschlossen. Im Jahre 1964 wurden die ersten Verhandlungen wegen des Schießhausbaues aufgenommen.

Nach dem die Grundstücksfrage aufgrund eines notariellen Erbbaurechtsvertrages mit der Brauerei Schübel gelöst wurde konnte bereits am 14. Juli 1965 das Richtfest stattfinden. Nach einigen Verzögerungen wurde der Bau 1967 vollendet und am 15. April 1967 der Öffentlichkeit übergeben werden.

Im Jahre 1972 führte unsere Gesellschaft das Gauschießen des Schützengaues Oberfranken Süd mit einer Rekordbeteiligung von 527 Schützen durch.

In den folgenden Jahren wurde der Luftgewehrstand überdacht und winterfest gemacht sowie mit den Planungen für den Bau einer KK-Anlage begonnen.

Im Jahre 1974 wurde Hans Hümmer in Bamberg zum 1. Bezirksschützenmeister gewählt.

Im Jahre 1976 wurde unser derzeitiger stellvertretender Gauschützenmeister Georg Hempfling zum 1. Schützenmeister gewählt. Durch die Verjüngung des Schützenmeisteramtes konnte das Schützenwesen neu belebt und in den nächsten Jahren durch eine Verdoppelung der Mitgliederstärke auf 300 sowie durch die Gründung einer Damenabteilung ausgebaut.

Das Jahr 1979 stand ganz im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums. Der Auftakt erfolgte mit der Bezirksversammlung im März in der Schulturnhalle. In der Zeit vom 23. Juni – 16. Juli fand das Hauptschießen sowie die Jubiläumsveranstaltung auf dem Schützenhausplatz statt.

Am 16. Juli 1979 wurde die neue Schützenkette, eine Spende der Sparkasse Kulmbach, übergeben. Der erste Träger der Kette war Hauptkönig Rudolf Graß.

Auf Grund des Jubiläums wurde eine neue Schützenkleidung für die Schützenfrauen und Schützen angeschafft. Schützenmeister Georg Hempfling entwarf ein neues Vereinswappen, welches bereits auf der Titelseite der Festschrift aufgebracht war. Diese Vereinswappen wurde 1985 im Großformat, gerahmt und verglast der Schützengesellschaft von Herrn Hempfling übergeben. Ein Highlight in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme am Oktoberfestzug im Jahre 1980.

Der Bau der Kleinkaliberanlage konnte 1983 trotz großer Schwierigkeiten abgeschlossen werden. Der Bau der Sanitäranlagen wurde durch einstimmigen Beschluss als Schwarzbau durchgeführt, da zu diesem Zeitpunkt der Ortsteil Ziegelhütte noch nicht an die Kanalisation angeschlossen war.

Da Georg Hempfling aus beruflichen Gründen eine Wiederwahl ablehnte, wurde in der Generalversammlung 1983 Armin Kotschenreuther als 1. Schützenmeister bestätigt.

Reinhard Kraus wurde im Herbst 1983 zum 1. Gausportleiter des Schützengaues Bayreuth-Kulmbach gewählt. Dieses Amt begleitet er bis 2007.
Retsch Siegfried wurde 1986 zum Gauschatzmeister gewählt.

In den Folgejahren sind auf Grund der Schwierigkeiten mit dem Abwasser die ersten Gedanken für den Neubau einer Schießanlage gereift. Während des Faschings 1989 kamen wir auf den Gedanken das leerstehende Betriebsgebäude der Firma Schuberth in der Bahnhofstraße zu erwerben und als Schützenhaus umzubauen. 1. Schützenmeister Armin Kotschenreuther u. Sportleiter Josef Heiß nahmen die Verhandlungen auf, und am 22. September 1989 wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung der Kauf des Grundstückes, sowie der Umbau in eine Schießanlage beschlossen. Im Oktober 1991 wurde bereits das Herbstschießen in der neuen Anlage abgehalten.

Findet Schützengesellschaft in Schuberth-Halle neues Domizil?
06.03.1989

Exodus aus Ziegelhütte vorprogrammiert
18.03.1989

Im Mai 1993 wurde unsere neue Fahne mit dem Vereinswappen eingeweiht. Die Fahne der Zimmerstutzengesellschaft von 1908 befindet sich seit dem im Archiv.

Nachdem unsere Mitglieder weit über 1000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet hatten konnte unsere moderne Schießanlage, bestehend aus 16 Ständen für Luftgewehr und Luftpistole, 6 KK-Ständen, 5 Pistolenständen und 2 Zimmerstutzenständen am 20. Mai 1995 der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 1.000.000,00 DM. Im Jahre 1992 wurde Georg Hempfling zum stellvertretenden Gauschützenmeister gewählt.

Beginn einer neuen Ära 28.09.1994

Raimund Ortlieb wurde 1997 zum stellvertretenden Gaujugendleiter gewählt.

Im Jahre 2002 übernahm Thomas Schramm das Amt des 1. Schützenmeisters. Auf Grund gesundheitlicher Probleme des 1. Schützenmeisters und des Schützenkommissars wurde Reinhard Kraus 2003 zum 1. Schützenmeister und Georg Hempfling zum Kommissar gewählt.
Ein Novum in der Vereinsgeschichte wurde im Jahre 2003 geschrieben. Denn erstmals kommen alle 3 Schützenkönige aus einer Familie. Dies sind:

Hauptschützenkönigin Simone Kraus
Winterschützenkönigin Angela Kraus
Jungschützenkönig Alexander Kraus

Das Jubiläumsjahr wurde mit der Gauversammlung am 13. März in der Steinachtalhalle eingeläutet. Es folgte das Starkbierfest am 03. April im Schützenhaus und der Bezirksversammlung des Schützenbezirkes Oberfranken am 04. April in der Steinachtalhalle. In der Zeit vom 21. Juni bis 06. Juli fand das Jubiläumsschießen verbunden mit dem Gauschießen statt. Am 16. Juli fand im Freibad ein Open-Air Konzert statt. Der würdige Abschluss des Jubiläums wurde am 24. Juli mit einem Festkommers begonnen.
Am Sonntag den 24. Juli folgte der große Festzug mit anschließender Gaukönigskrönung und Preisverteilung und am Montag des 25. Juli erfolgte die Königskrönung der neuen Majestäten mit der Übergabe der neuen Königskette.

Im Jahr 2010 begann die Renovierung des Pistolenstandes mit dem Einbau einer Lüftung und
Notausganges. Die Kosten für die Renovierung beliefen sich auf 12.000,00 Euro. Die Finanzierung dieser Maßnahme wurde durch die Vermietung des Schützenhausdaches, auf der 2 Investoren eine Photovoltaikanlage installierten, abgedeckt.

Am 30. März 2014 wurde erstmals ein Mitglied der Schützengesellschaft Stadtsteinach zum Bezirksschützenkönig gekrönt. Es war dies unsere Heidi Wich, die mit der Luftpistole einen 7,2 Teiler schoss. Mit 4 Begleitern nahm Heidi am Oktoberfestzug teil.

Für alle war das ein großartiges Ereignis. Der Festzug wurde von ca. 500.000 Besuchern begleitet.

Am 23 April 2014 ernannten wir unsere Gabriele Schübel anlässlich ihres 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied.

Am 26. Juli 2014 wurde unsere Bogenschiessanlage, mit der Gründung einer Bogenabteilung, eingeweiht. Der Initiator Matthias Zimmermann verstarb Ende 2014 an Krebs.

2. Schützenmeister Raimund Ortlieb wurde für 40 Jahre Jugendarbeit geehrt.

Im Jahre 2018 errang unser 1. Schützenmeister Reinhard Kraus den Gaukönigstitel für Auflageschützen mit einem 21 Teiler.

Am 12. April 2019 wurde Klaus Rößner zum Schützenkommisar gewählt, da unser bisheriger Kommissar, Georg Hempfling aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand.

Am 19.5.2019 richteten wir zum 4. Male den Oberfränkischen Bezirksschützentag in der Steinachtalhalle aus. Unser 1. Schützenmeister Reinhard Kraus wurde an diesem Tag zum Ehrenmitglied des Schützenbezirkes Oberfranken ernannt.

Die beiden Jahre 2020 und 2021 wurden von großeen Umbaumaßnahmen geprägt; der Pistolenstand wurde komplett renoviert, im Luftgewehrstand wurden 12 elektronische Anlagen für Luftgewehr und Luftpistole errichtet sowie der Einbau einer neuen Gasheizung und Eingangstür fertiggestellt.

Im Sommer 2021 erhielt unser 1. Schützenmeister Reinhard Kraus, aus der Hand des Herzogs Franz von Bayern, das Protektoratsabzeichen in Gold des Bayerischen Sportschützenbundes. Die Ehrung fand im Schloss Nymphenburg statt.